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Die verlorenen Milliarden

Die Diagnose der chronischen Krankheit wurde längst gestellt, die ersten Behandlungsmassnahmen sind abgeschlossen. Soweit, so gut. Was folgt, ist eine oft lebenslange Therapie. Diese erfordert vom Patienten ein hohes Mass an Gewissenhaftigkeit und Eigenverantwortung – im Fachjargon kurz Therapietreue genannt. Für viele Erkrankte ist das eine wahre Herausforderung. Dass mit dem Nichteinhalten von Therapieanweisungen ein volkswirtschaftlicher Schaden in Milliardenhöhe angerichtet wird, fand nun eine Studie der Strategieberatung Booz & Company in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung heraus.

Wo lassen sich die Gründe für die Nachlässigkeit während einer Therapie verorten? Im Rahmen der Studie wurden mehrere Brandherde identifiziert, die zum Scheitern einer solchen führen können. Eine erste Hürde stellt die Aufklärung des Arztes über den Therapieverlauf dar. Diese kann schwer verständlich und überfordernd ausfallen. Da sie in den meisten Fällen nur mündlich kommuniziert wird, entstehen beim Patienten im Nachhinein Informationsunsicherheiten. Wenn der Patient sich im Internet über sein Krankheitsbild informiert und dabei auf widersprüchliche Information stösst, trägt das zudem zur Verunsicherung bei. Als weiteres Hindernis nennt die Studie die Motivation des Patienten. Sind die gröbsten Beschwerden erst mal durch Medikamente beseitigt, so neigt der Patient zur Leichtsinnigkeit. Therapiemassnahmen erfordern nicht selten die Bereitschaft, den Lebensstil umzustellen. Entfaltet die Therapie nicht sofort ihre volle Wirkung, stellen sich für den Patienten Sinnfragen und er verliert die Motivation. Auch das persönliche Umfeld kann zur Belastung werden. Therapien, die nur schwer in den Lebens- und Arbeitsrhythmus zu integrieren sind, sowie gesellschaftlicher Druck legen dem Patienten grosse Steine in den Weg. Am Beispiel von Bluthochdruck lassen sich die zu nehmenden Hürden exemplarisch aufzeigen. Bluthochdruck führt häufig zu Schlaganfällen und Herzinfarkten. Will der Patient diese Krankheit kontrollieren, muss er auf eine bewusste Ernährung achten, sich sportlich betätigen und die Medikamente regelmässig einnehmen. Sobald diese ersten Schritte geklärt sind, wird der Patient oft mit seiner verbleibenden Unsicherheit allein gelassen. Was ist in seinem Fall die richtige Ernährungsweise, welcher Sport ist kompatibel, und wie viel? Vom Alkoholgenuss wird bei Bluthochdruck generell abgeraten, doch in der Realität katapultiert der Verzicht darauf viele in Erklärungsnot. Und für eine bewusste Ernährung bleibt im Arbeitsalltag auch kaum Zeit. Dass diese Probleme und die daraus resultierende Therapieuntreue eine volkswirtschaftliche Kettenreaktion auslösen, ist den Patienten kaum bewusst. Durch das Nichteinhalten der Therapie verschlechtert sich zuerst das Gesundheitsbild. In Folge dessen steigt die Kostenbelastung für das Gesundheitssystem, der Patient wird unter Umständen arbeitsunfähig und es entstehen immense Kosten aufgrund von verlorener Arbeitsproduktivität.

Die Studienleiter sind sich diesen Herausforderungen bewusst, und plädieren deshalb für eine umfassende Integration der Therapiemassnahmen in den Lebensalltag der Patienten sowie für eine individualisierte Therapiebegleitung. Der Einbezug sämtlicher Stakeholder in den Therapieprozess, von den Arbeitgebern über die Krankenversicherungen, sowie die Schaffung von Anreizstrukturen für ärzte, die Therapietreue stärker zu gewichten, sind bedeutende Schritte. Als weitere Ziele lassen sich zum einen Beratungsveranstaltungen und Patienten-Netzwerke zur Unsicherheitsreduktion und gegenseitigen Motivation, zum anderen der Einsatz von Case-Managern und die Einführung flexibler Arbeitszeiten nennen. Bisher fehlen jegliche Ansätze im Gesundheitssystem, dieses entsprechend auszubauen. Dabei ist das langfristige Einsparpotential enorm, führt man sich vor Augen, dass über alle Erkrankungen hinweg 20 – 30 Prozent der Patienten mindestens einen Aspekt ihrer Therapiemassnahmen missachten. Für die Schweiz bedeutet das einen geschätzten volkswirtschaftlichen Schaden von CHF 6 bis 11 Milliarden. Hierzulande leiden unter der erwerbsfähigen Bevölkerung etwa 9 % an Bluthochdruck oder chronischen Rückenschmerzen, 11 % an Asthma, weitere 8 % an Depressionen und 1 % an Rheumatoid Arthritis. In absoluten Zahlen betrachtet, sind dies viele Gründe für einen Schritt in Richtung effizientes Gesundheitssystem.



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